Hilde Domin-Leseecke in Givat Haviva eingeweiht



Givat Haviva, die nationale Bildungs und Weiterbildungsorganisation der Kibbutzbewegung Kibbutz Artzi, weihte in Anwesenheit einer Delegation aus Rheinland-Pfalz eine Leseecke in Erinnerung an die Dichterin Hilde Domin ein.

Givat Haviva, 18. Oktober. In Anwesenheit einer Delegation der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz wurde am Donnerstag die Hilde Domin-Leseecke in der Friedensbibliothek in Givat Haviva eingeweiht.  Givat Haviva ehrt damit die im Jahre 2006 verstorbene deutsch-jüdische Schriftstellerin und Lyrikerin für ihren Einsatz im deutsch-israelisch-arabischen Dialog und für Ihre langjährige Freundschaft mit Givat Haviva.

Hilde Hilde Domin kam 1995 im Rahmen des deutsch-israelisch-palästinensischen Autorentreffens, einer Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, zum ersten Mal nach Givat Haviva. Der Delegationsleiter Hans-Georg Meyer, ehemaliger Direktor der Landeszentrale, Initiator der Treffen  und persönlicher Freund Hide Domins sprach über die Dichterin. „Hilde Domin ging es immer um die Verständigung, das Wort war ihr wichtig“, sagte Meyer in seiner Ansprache. „Hier in Givat Haviva traf Sie auf eine Einrichtung, die das realisiert, was ihr immer am wichtigsten war: reden und zuhören“.

Yaniv Sagi, seit September neuer Direktor Givat Havivas, würdigte in seiner Ansprache Hilde Domin als Freundin über den Tod hinaus, die in Ihrem Testament eine größere Summe auch an die Bibilothek und das jüdisch-arabische Friedenszentrum in Givat Haviva vermachte. „Mit der Leseecke wollen wir diese Freundschaft im Gedächtnis behalten und die Besucher unserer Bibliothek in ihrem Namen einladen, kurz zu verweilen und auch in Ihren Werken zu schmökern.“ Gleichzeitig mit der Eröffnung der Leseecke übernahm die Friedensbibliothek auch einige Exemplare der ersten hebräischen Übersetzung von Hilde Domins Gedichten in ihren Bestand auf. Sagi, betonte auch die besondere Freundschaft und Förderung Givat Havivas mit und durch das Land-Rheinland Pfalz, die sich im Jahre 2013 zum 20. Male jährt. „Dieses Bekenntnis zu den Werten der Verständigung und des Dialogs ist ganz im Sinne von Hilde Domin und wir danken den Besuchern dieser Delegation als Repräsentanten des Landes hierfür von ganzem Herzen“, so Sagi.


Das Institut Givat Haviva

Givat Haviva wurde 1949 als nationales Bildungszentrum der Kibbutzbewegung Kibbutz Artzi gegründet. Es dient der Förderung von Dialog, Verständnis und gleichwertiger Zusammenarbeit innerhalb der vielschichtigen und heterogenen Gesellschaft Israels und damit dem Aufbau einer auf Teilhabe und bürgerschaftlicher Verantwortung basierenden Zivilgesellschaft. Unser Institut bildet hierbei den Katalysator, über den verschiedenste gesellschaftliche Gruppen miteinander in Kontakt treten und Kooperation und Dialog entlang gemeinsamer Interessen beginnen. Ein besonderes Augenmerk liegt in der jüdisch-arabischen Dialogarbeit, die bereits seit 1964 durch das jüdisch-arabische Zentrum für den Frieden in Givat Haviva geleistet wird. Insbesondere durch kommunenübergreifende Projektansätze, zusammen mit Trainings- und Weiterbildungsprogrammen, themenspezifischen Workshops und Konferenzen sowie der in langer Arbeit gesammelten Expertise Givat Havivas zum Thema Dialog und Konfliktpädagogik ist das Erfolgsrezept. Als eine der führenden Institutionen in der Konfliktpädagogik erhielt Givat Haviva bereits zahlreiche Auszeichnungen, so zum Beispiel den Albert Schweitzer Award for Excellence der Chapman University in Kalifornien 1999 sowie den UNESCO Preis für Friedenserziehung 2001 für seine langjährige Arbeit in jüdisch-arabischen Dialog und  Aussöhnung in Israel.

Die Sarah und Yaakov Eshel Friedensbibliothek

Die Bibliothek auf dem Campus Givat Havivas beherbergt über 60.000 Titel zu den Themen Geschichte Israels, Zionismus, jüdisch-arabisches Verhältnis, Kibbutzbewegung, arabischer und jüdischer Geschichte sowie sozialwissenschaftliche Werke mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung. Über die Grenzen Israels hinaus ist die Bibliothek vor allem für ihr großes Archiv zur Geschichte der palästinensischen Bevölkerung und der Araber in Israel bekannt. Seltene Dokumente, Fachliteratur sowie eine Sammlng mehrerer tausend arabischsprachiger Zeitungen aus dem ehemaligen Mandatsgebiet und dem frühen Staat Israel lagern hier und sind Besuchern zugänglich. Teile des arabischen Zeitungsarchivs reichen zurück bis in das 19. Jahrhundert und machen es damit einzigartig in der Welt. Mit Unterstützung der UNESCO wird dieses Material zur Zeit digitalisiert und online zugänglich gemacht, um diese unwiederbringlichen Zeitdokumente für die Zukunft zu bewahren.



Direktor Yaniv Sagi bei seiner Ansprache an die Delegation
Yaniv Sagi und Hans-Georg Meyer befestigen die Gedenkplakette für Hilde Domin an der Wand der Leseecke
v.ln.r.: Hans-Georg Meyer, Direktor der Landeszentrale a. D.; Riad Kabha, Direktor des jüdisch-arabischen Zentrums für den Frieden in Givat Haviva; Yaniv Sagi, Direktor Givat Havivas